„Afrikaner sind doch so musikalisch“ – oder etwa nicht? Sarah Schmidt, Freiwillige in Mougnon (Benin), durfte in den letzten Monaten viel darüber erfahren, was die Musik für die Leute in ihrem neuen Heimatdorf bedeutet – und musste dabei feststellen, wie ihr eigenes Denken aneckt und umgestaltet werden muss. Doch konnte sie auch entdecken, was für ein Reichtum in der Kombination dieser verschiedenen Denkweisen liegt.


Ich bin mit der Musik groß geworden. Zehn Jahre Musikschule und viele Auftritte mit Orchestern, Chören, meiner Band und auch Solo haben mich geprägt. Als ich mich für das FSJ hier in Benin entschied, stellte ich mich innerlich schon darauf ein, dass mein Hobby Musik hier etwas zurücktreten muss. Doch es kam anders. Natürlich blieben mein Saxophon und meine Querflöte in Deutschland. Aber eine kleine Kindergitarre und einige Blockflöten passten in die Reisetasche.. Als meine Mitfreiwillige Anna und ich das erste Mal mit den Kindern sangen, war klar, Musik kommt hier einfach an! Egal in welcher Sprache! Die Kirche besitzt sogar ein Klavier, das wir nutzen können. Ich malte mir aus, wie wir in dem Jahr den Kindern das Spielen der Instrumente beibringen könnten.

Das erste Problem war Struktur. Wie soll man 30 Kindern Musikunterricht geben, mit nur einer Gitarre, einem Piano, fünf Flöten und einer Geige? Wir machten verschiedene Versuche, stellten Pläne auf. Am Ende haben wir uns einfach spontan mit dem hingesetzt, der etwas lernen wollte. Das heißt, manche machen gute Fortschritte, mit anderen fange ich immer wieder von vorne an.

Ich bin mir sicher, Sie haben auch schon mal das Vorurteil gehört: Afrikaner sind doch so musikalisch. Wenn Sie bis jetzt davon überzeugt waren, muss ich Sie leider enttäuschen. Oder vielleicht sage ich besser, bei uns würde man es weniger als musikalisch bezeichnen. Denn die traditionelle Musik hier ist eine ganz andere Welt als unsere Musik es ist. Frei von Akkorden und frei von Dynamik.

Stellen Sie sich vor, diese beiden Musikwelten stoßen aufeinander. Wir Europäer kommen mit unseren reinen, geordneten Akkorden und Noten an und stoßen förmlich gegen eine Wand aus lauten und rhythmischen Trommelgesängen. Ich fragte mich oft: Kann das überhaupt miteinander funktionieren? Ja, es kann. Und vor allem kann man, wenn man etwas unbedingt will, auch lernen. Zwei Jungs hier sind wirklich richtig musikalisch. Ich zeige ihnen etwas auf der Gitarre oder dem Klavier und es dauert nicht lange, dann können sie es auch.
Vielleicht singen sie hier oft nicht so sauber wie bei uns und es kommt öfter mal ein schiefer Ton, aber das ist meiner Meinung gar nicht so schlimm, in Anbetracht dessen, dass es von Herzen kommt. Es steckt an, wenn man sieht, wie viel Freude sie in der Kirche beim Tanzen, Singen und Trommeln haben. Das vermisse ich oft bei uns in Deutschland. Und wenn ich mich entscheiden könnte für korrekte Töne oder überschwappende Freude, dann wähle ich doch eher Letzteres!